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Wurmerkrankungen



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Wurmerkrankungen (Helminthosen): Durch Wurmbefall verursachte Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, aber auch anderer Organe. Zu den wichtigsten Würmern, die den Menschen befallen können, gehören Bandwürmer (Cestoden), Fadenwürmer (Nematoden) und Saugwürmer (Trematoden).

Leitbeschwerden

  • Oft nur vage Beschwerden, z. B. Druck im Oberbauch oder leichte Bauchschmerzen
  • Juckreiz und Hautveränderungen in der Analgegend
  • Sichtbare Ausscheidung von Würmern oder Wurmteilen im Stuhl
  • Gewichtsabnahme, Blässe und Schwäche (Blutarmut).

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • Würmer oder Wurmteile im Stuhl zu sehen sind
  • Bisher nicht bekannter Juckreiz in der Analregion auftritt
  • Seit längerem unspezifische Bauchschmerzen bestehen.

Die Erkrankungen

Wurmerkrankungen sind weltweit verbreitet. Meistens erfolgt die Ansteckung über Selbstinfektion durch rohes oder nicht ausreichend gegartes Fleisch oder durch Gemüse, Salat oder Obst, das mit Fäkalien verunreinigt und ungewaschen ist. Die bevorzugt befallenen Organe und die Vermehrungszyklen unterscheiden sich von Wurmart zu Wurmart.

Fadenwürmer (Madenwürmer, Spulwürmer und Trichinen)

Zu den Fadenwürmern (Nematoden) gehören u. a. die Madenwürmer (Oxyuren, Enterobius vermicularis), die auch in unseren Breitengraden weit verbreitet sind. Über verunreinigte Nahrung, Spielzeug oder Wäsche stecken sich besonders Kinder im Kindergarten- oder Grundschulalter an. Die etwa 12 mm langen Würmer siedeln sich im unteren Dünndarmbereich, im Dickdarm und im Wurmfortsatz an. Nachts kriechen die Weibchen aus der Analöffnung heraus und legen ihre Eier ab. Das führt zu starkem Juckreiz am Darmausgang. Der Befallene kratzt sich, fasst mit den verunreinigten Händen Verschiedenes an und verhilft so den Madenwürmern zur Ausbreitung.

Spulwürmer (Ascaris lumbricoides) werden meistens mit verseuchtem Gemüse aufgenommen. Die Larven des Spulwurms werden aus den Eiern im Dünndarm freigesetzt, gelangen durch die Darmwand ins Blut und mit dem Blut über die Leber in die Lunge. Von dort wandern sie bis zum Kehlkopf, werden geschluckt und erreichen so wieder den Dünndarm, wo sie zu bis zu 40 cm langen reifen Würmern heranwachsen. Die Betroffenen bekommen während der Durchwanderung der Lunge oft leichtes Fieber, Husten und andere grippeähnliche oder auch asthmaartige Beschwerden. Der Wurmbefall des Darms löst Bauchschmerzen aus; die Würmer können regelrechte Knäuel im Darm bilden und so einen mechanischen Darmverschluss verursachen. Wandernde Würmer können auch den Gallengang verschließen.

Trichinen (Trichinella spiralis): Trichinen befallen Haus- und Wildschweine und werden durch Verzehr rohen Schweinefleischs vom Menschen aufgenommen. Die von ihnen verursachte Trichinose ist in Deutschland wegen der gesetzlich vorgeschriebenen Fleischbeschau sehr selten geworden. In Osteuropa und Nordamerika ist sie aber immer noch weit verbreitet. Der Wurmbefall im Darm verursacht wässrige Durchfälle, Übelkeit, Erbrechen und leichtes Fieber. Befallen die Larven die Muskulatur, kommt es zu Muskelschmerzen, Wassereinlagerungen im Gewebe, Herzmuskelentzündung und später eventuell zu anhaltenden rheumatischen Beschwerden.

Rinder- und Schweinebandwurm

Der Mensch infiziert sich vor allem durch rohes oder nicht ausreichend gegartes Fleisch mit den Finnen (Jungform = Larve des Bandwurms) von Rinderbandwurm (Taenia saginata) und Schweinebandwurm (Taenia solium). Sie wachsen im Darm zum Bandwurm heran, der aus einem Kopf, einem Halsteil und den daraus gebildeten Bandwurmgliedern (Proglottiden) besteht. Mit dem Stuhl werden einzelne Bandwurmglieder ausgeschieden. Die meisten Menschen haben nur sehr geringe Beschwerden, wenn sie an einer Bandwurmerkrankung leiden. Auffällig sind vor allem Appetitlosigkeit im Wechsel mit Heißhunger und Gewichtsabnahme trotz regelmäßigen Essens. Selten wandern Bandwurmglieder in den Blinddarm oder den Bauchspeicheldrüsengang; sie können dort eine akute Blinddarmentzündung oder eine Bauchspeicheldrüsenentzündung verursachen.

Nimmt ein Mensch die Bandwurmeier (nicht die Finnen) des Schweinebandwurms auf, was auch durch Selbstinfektion möglich ist, entwickeln sich darüberhinaus im menschlichen Körper Larven (Zystizerken). Sie wandern vom Darm über die Blutgefäße in Muskeln und Organe und es kommt zu einer Zystizerkose, die bei Befall der Augen zum Erblinden und bei Eindringen in das zentrale Nervensystem zu Krampfanfällen führen kann. Bleibt der Befall auf die Muskeln beschränkt, klagen die Betroffenen über Muskelschmerzen. Oberflächlich in Haut oder Muskeln liegende Larven lassen sich oft als kleine Knoten ertasten.

Hunde- und Fuchsbandwurm (Echinokokkosen)

Echinokokkosen gehören zu den gefährlichsten Wurmerkrankungen. Die Infektion erfolgt durch Kontakt mit infizierten Füchsen oder Hunden und möglicherweise auch über ungewaschene Heidel- oder Walderdbeeren, die aufgrund ihres niedrigen Wuchses oft mit Ausscheidungen von Füchsen verunreinigt sind. Aus den aufgenommenen Eiern entwickeln sich im Darm Larven, die über die Blutgefäße vor allem in die Leber und seltener in die Lunge und andere Organe wandern.

Hundebandwurm (Echinococcus granulosus): Bildet eine große Zyste in der Leber, in der sich zahlreiche neue Larven entwickeln. Beschwerden treten oft erst auf, wenn die Zyste sehr groß geworden ist und mechanische Raumverdrängungen im Bauchraum zustande kommen. Drückt die Zyste auf die Gallenwege, droht ein Verschlussikterus. Platzt die Zyste, können die ausgeschwemmten Larven zu einem eventuell tödlichen allergischen Schock führen. Auch die Lunge ist oft von der Zyste befallen.

Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis): Bildet in der Leber mehrere kleine Zysten, die tumorartig in umliegende Gewebe und Organe einwachsen und diese zerstören. Auch beim Fuchsbandwurm ist die Leber vergrößert und es kann zum Ikterus kommen.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Eine mikroskopische Stuhluntersuchung liefert den Beweis für vorhandene Wurmeier. Bei Rinder- und Schweinebandwurm wird die Diagnose durch die Identifikation von Bandwurmgliedern im Stuhl gesichert. Die Eier von Spulwürmern lassen sich oft nachweisen, indem man ein Stück Tesafilm auf den Darmausgang klebt, wieder abzieht, auf einen Objektträger klebt und anschließend unter dem Mikroskop untersucht. Hunde- und Fuchsbandwurmbefall können in ~ 85 % der Fälle im Labor mit Antikörpern nachgewiesen werden. Die Zysten in der Leber sind im Ultraschall oder im CT sichtbar.

Therapie. Wurmmittel (Anthelmintika) reichen fast immer aus, um Erkrankungen durch Rinder- und Schweinebandwürmer sowie durch Fadenwürmer zu bekämpfen. Sie werden bei kurzer Behandlungsdauer meistens gut vertragen. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind z. B. Pyrantel (z. B.Helmex®, auch als Saft), das auf Wurmarten lähmend wirkt, wodurch die Würmer lebend mit dem Stuhl ausgeschieden werden, oder Albendazol (z. B. Eskazole® in Tablettenform) bzw. Mebendazol (z. B. Vermox® in Tablettenform), die die Nährstoffaufnahme der Würmer blockieren, so dass diese sterben und dann ebenfalls über den Darm ausgeschieden werden. Je länger die Therapie dauert, umso stärker treten allerdings Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall auf (Weiteres).

Schwierig ist die Therapie allerdings bei Hunde- und Fuchsbandwürmern. Beim Hundebandwurm müssen die Zysten unter begleitender Therapie mit Wurmmitteln operativ entfernt oder der Inhalt vorsichtig abgesaugt werden. Die vollständige Entfernung der Zysten beim Fuchsbandwurm gelingt nur in einem Viertel der Fälle. Generell ist hier eine Langzeitbehandlung mit Wurmmitteln erforderlich.

Prognose

Fadenwürmer, Rinder- und Schweinebandwürmer lassen sich mit Medikamenten leicht therapieren und die Prognose ist nach der Therapie gut. Hunde- und Fuchsbandwurmzysten dagegen vergleichen manche Ärzte zu Recht mit einem bösartigen Tumor – hier hängt die Prognose ab von der durch die Zysten verursachten Zerstörung von Leber oder Lunge.

Vorsorge

Vor Wurminfektionen können Sie sich schützen, indem Sie sich besonders vor jedem Essen die Hände waschen. Haustiere sollte man regelmäßig beim Tierarzt entwurmen lassen, Hundekot an den Schuhen stets gründlich entfernen und nicht ins Haus tragen. Kinder sollten Sie daran hindern, sich am Po zu kratzen. Häufiges Händewaschen und kurz geschnittene Fingernägel unterstützen diese Basismaßnahmen.

Niedrig wachsende Waldbeeren wie Heidelbeeren oder Walderdbeeren, sollten wegen der Verseuchung mit Fuchsbandwurmeiern gemieden werden. Ab einer Strauchhöhe von 50 cm ist das Abernten jedoch unbedenklich.


Von: gesundheit-heute.de; Dr. med. Arne Schäffler, Dr. Bernadette Andre-Wallis | zuletzt geändert am 27.04.2016 um 18:53


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