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Myome



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Myom (Uterusmyom, Leiomyom):Gutartige Geschwulst der Gebärmuttermuskulatur. Je nach Sitz unterscheidet man Myome, die sich in Richtung Gebärmutterhöhle vorwölben (submuköse Myome), in der Gebärmutterwand gelegene Myome (intramurale Myome) und Myome, die in Richtung Bauchraum hervorstehen (subseröse Myome). Myome können sehr groß und in Extremfällen bis zu mehreren Kilogramm schwer werden.

Uterus myomatosus: Meist zahlreiche gutartige Muskelgeschwulste der Gebärmutter (Uterus) mit unterschiedlicher Ausprägung in Größe, Anzahl, Form und Lokalisation. Der Uterus myomatosus ist der häufigste gutartige Tumor bei Frauen: Vermutlich sind 30 % der Frauen über 30 Jahre betroffen, doch drei Viertel der Frauen merken davon nichts. Nur falls starke Beschwerden auftreten, erfordern sie hormonelle oder chirurgische Therapiemaßnahmen. Mit den Wechseljahren verschwinden die Myome von selbst wieder. In seltenen Fällen kommt es zu einer Entartung des Myoms (Uterussarkom oder Myosarkom), einer seltenen und aggressiven Tumorart, die zwar in der Gebärmutter lokalisiert, aber ansonsten nicht mit dem Gebärmutterkrebs verwandt ist. Wenn es nicht frühzeitig operativ entfernt wird, ist es fast immer tödlich.

Leitbeschwerden

Im Rahmen der Menstruation:

  • Verlängerte und ungewohnt schmerzhafte Blutung (mehr als fünf Tage), eventuell Zwischenblutungen
  • Abgang von Blutkoageln (Klumpen geronnenen Bluts)
  • Verschlimmerung der Beschwerden von Monat zu Monat.

Beschwerden aufgrund des Blutverlusts:

  • Müdigkeit und Leistungsabfall
  • Infektneigung.

Beschwerden benachbarter Organe:

  • Rückenschmerzen
  • Unterbauchschmerzen
  • Verstopfung
  • Blasenbeschwerden mit vermehrtem Harndrang bis hin zu ungewolltem Urinverlust.

Die Beschwerden schwanken in Abhängigkeit von Größe, Lokalisation und Zahl der Myome.

Wann zum Frauenarzt

In den nächsten Wochen, wenn die genannten Beschwerden auftreten

Die Erkrankung

Die Ursache dafür, dass bei so vielen Frauen das Geschlechtshormon Östrogen zu einem stellenweise überschießenden Wachstum der Muskelschicht in der Gebärmutter führt, ist unbekannt. Man weiß nur, dass Östrogene als Auslöser eine Schlüsselrolle spielen, denn in den Lebensphasen ohne Östrogenproduktion (also vor der Pubertät und nach der Menopause) kommen Myome so gut wie nie vor oder bilden sich zurück.

Die vielfältigen Beschwerden lassen sich vor allem „mechanisch“ durch die Vergrößerung und Raumforderung der monatlich wachsenden Gebärmutter infolge der Myome erklären.

Das macht der Arzt

Zur Diagnosesicherung dienen vor allem der Vaginal- und Bauchultraschall. Ein Bluttest klärt, ob eine Blutarmut (Anämie) und ein Eisenmangel vorliegen. Wenn notwendig, wird ergänzend eine Gebärmutterspiegelung, eine Bauchspiegelung oder ein Kernspin durchgeführt, um Myome räumlich exakt zu lokalisieren.

So vielschichtig wie die Beschwerden, so vielseitig sind auch die Therapiemöglichkeiten:

Kleine Myome erfordern keine Behandlung, solange die Beschwerden gering sind. Die Myome sollten allerdings regelmäßig per Ultraschall kontrolliert werden, um ein überschießendes Größenwachstum und eine eventuelle Entartung frühzeitig zu erkennen.

Myome können generell mit der „Pille“ hormonell „ruhig gestellt“ werden. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn sowieso eine Verhütung gewünscht ist und keine Ausschlusskriterien vorliegen. Wird die „Pille“ allerdings abgesetzt, verschlimmern sich die Beschwerden rasch wieder.

GnRH-Analoga (z. B. Enantone-Gyn®) wirken auf das Gehirn, das daraufhin kein GnRH mehr ausschüttet. Damit werden die Eierstöcke ruhig gestellt, es kommt sozusagen zu künstlichen Wechseljahren. GnRH-Analoga werden einmal im Monat in den Oberarm injiziert. Ihre Effektivität ist hoch: Sie stoppen nicht nur das Myomwachstum, sondern bringen die Myome sogar zum Schrumpfen. GnRH-Analoga führen jedoch zu Nebenwirkungen der Wechseljahre wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche oder Depressionen und Osteoporose.

Deswegen ist diese Therapie nur dann eine Lösung, wenn die Beschwerden „in Sichtweite“ der Wechseljahre beginnen. Manchen Patientinnen bleibt letztlich die operative Entfernung der Myome nicht erspart. Um diese möglichst risikoarm durchführen zu können, kommen die GnRH-Analoga oft für die Monate vor der Operation zum Einsatz. Zum einen bilden sich damit die Myome zurück, zum anderen verliert die Patientin während der Menstruation nicht mehr so viel Blut. Dadurch wird die Operation schonender und der Blutverlust durch die Operation wirkt sich nicht so schwer aus.

Als Alternative zu den GnRH-Analoga ist seit 2012 der Wirkstoff Ulipristalacetat auf dem Markt. Er ist zugelassen zur präoperativen Behandlung mittlerer bis starker Symptome durch Gebärmutter-Myome bei erwachsenen Frauen, für die eine Operation vorgesehen sind. Darüber hinaus dient er der Intervall-Therapie mittlerer bis starker Symptome.

Operative Therapieverfahren

Myom-Operation. Der Umfang der Operation hängt entscheidend von Größe, Lokalisation und Zahl der Myome ab. Wenig belastend sind die minimal-invasiven Verfahren. Bevorzugt kommt die Ausschälung (Myomenukleation) zur Anwendung. Dabei versucht der Arzt, die Myome mit GnRH-Analoga zu verkleinern, um sie anschließend mit einer Bauchspiegelung leichter aus der Gebärmutterwand herausschälen und die Gebärmutter dadurch erhalten zu können. Der Nachteil dieser Methode ist allerdings die Rückfallgefahr.

Gebärmutterentfernung. Bei sehr großen, ungünstig gelegenen oder besonders zahlreich vorhandenen Myomen empfiehlt der Arzt – vor allem, wenn die Familienplanung bereits abgeschlossen ist – die Gebärmutterentfernung (Totaloperation, Hysterektomie). Sie erfolgt entweder vaginal (von der Scheide aus, wenig invasiv) oder abdominal (vom Bauch aus, größerer Eingriff, aber bessere Übersicht für den Operateur). Die Gebärmutterentfernung ist dann gerechtfertigt, wenn die Gebärmutter insgesamt stark vergrößert ist oder andere krankhafte Veränderungen die Folge sind (z. B. Gebärmuttersenkung, Harn- oder Stuhlinkontinenz). Eine operative Therapie hat den Vorteil, dass die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone im Gegensatz zur Therapie mit GnRH-Analoga nicht beeinträchtigt wird.

Die Komplikationsrate bei der Gebärmutterentfernung ist erstaunlicherweise kleiner als bei der Ausschälung, die in der Regel große Wundflächen hinterlässt. Aus diesem Grund ziehen vor allem ältere Frauen manchmal die Gebärmutterentfernung vor.

Embolisation. Bei der Embolisation verödet (embolisiert) der Arzt mit einem Katheter, den er über die Leistenbeuge in ein Beckengefäß vorschiebt, ein zur Gebärmutter führendes Blutgefäß. Durch die gedrosselte Blutzufuhr kommt es in der Folgezeit zu einer Schrumpfung des Myoms und Abschwächung der Monatsblutung. Dieses Verfahren ist technisch aufwendig und mit einer erheblichen Strahlenbelastung wegen der notwendigen Durchleuchtungskontrollen verbunden. Deshalb wird die Embolisation derzeit nur von wenigen Kliniken angeboten. Zudem sind nicht alle Myome für eine Embolisation geeignet.

Andere Verfahren finden sich in der Erprobung, so die [Mikrowellen-]Thermotherapie, mit der das Myom durch gebündelte Ultraschallwellen überhitzt und verkocht wird.

Selbsthilfe

Es gibt leider keine Tees, Entspannungsverfahren, Gymnastiktechniken oder Ernährungsempfehlungen, die Myome zur Rückbildung bringen. Allenfalls kann die Wahrnehmung der Beschwerden positiv beeinflusst werden. Aufgrund des Voranschreitens der Beschwerden von Monat zu Monat ist dies aber meist keine Lösung. Trotzdem ist Schwarzsehen nicht angesagt: Heutzutage bedeutet die Therapie von Myomen – anders als noch vor 30 Jahren – keinesfalls immer die Gebärmutterentfernung, vor der viele Frauen Angst haben.

Komplementärmedizin

Pflanzenheilkunde. Eine Behandlungsalternative bei kleinen Myomen sind Präparate mit Heilpflanzen wie Mönchspfeffer (z. B. Agnolyt®, Femicur®), deren Wirkstoffe den Östrogenspiegel senken. Teezubereitungen aus Schafgarbe (Achillea millefolium) können Blutungsstärke und -dauer regulieren sowie krampfartige Schmerzen lindern. Sie sind z. B. eine gute Lösung, wenn eine Schwangerschaft besteht.

Nicht hormonelle, „natürliche“ Medikamente oder Therapiemethoden werden von vielen Frauen anfangs gewünscht oder sogar verlangt. Die frauenärztliche Praxis zeigt aber, dass die Patientinnen allenfalls vorübergehend eine positive Wirkung berichten, wie z. B. eine Reduktion der Blutungsstärke oder -dauer. Fast alle Patientinnen wenden sich deshalb früher oder später mit den gleichen Menstruationsbeschwerden/-störungen erneut an den Frauenarzt.


Von: gesundheit-heute.de; Dr. med. Astrid Waskowiak, Dr. med. Arne Schäffler | zuletzt geändert am 30.03.2016 um 17:01


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