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Mittelschwere und schwere Schädel-Hirn-Verletzung



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Schädel-Hirn-Verletzung (Schädel-Hirn-Trauma, SHT): Kopfverletzung mit Gehirnbeteiligung. In Deutschland ereignen sich 200.000 mittelschwere und schwere Schädel-Hirn-Verletzungen jährlich, mehr als zwei Drittel davon durch Verkehrsunfälle. Eine schwere Schädel-Hirn-Verletzung ist die häufigste Todesursache bei jungen Menschen zwischen 15 und 20 Jahren.

Leitbeschwerden

  • Bewusstlosigkeit länger als 15 Minuten
  • Ausfälle wie etwa Lähmungen, die aber bei Bewusstlosigkeit schwer feststellbar sind.

Wann zum Arzt

Sofort den Arzt rufen, wenn

  • Ein Verletzter bewusstlos oder einige Minuten „nicht ganz da“ ist
  • Ein Verletzter aus Mund, Nase oder Ohr blutet
  • Ausnahme: eine oberflächliche Blutungsquelle, z. B. an der Innenseite der Lippe, wenn eine Blutstillung erfolgreich ist und keine klare Flüssigkeit aus Nase oder Ohr läuft
  • Die Pupillen des Verletzten rechts und links unterschiedlich groß sind
  • Sich nach anfänglicher Beschwerdefreiheit oder -armut der Zustand verschlechtert, z. B. zunehmende Kopfschmerzen oder Verwirrtheit auftreten
  • Nach einer Kopfverletzung Ausfälle bestehen, z. B. Sehstörungen oder Lähmungen.

Eine ärztliche Verlaufsbeobachtung ist notwendig, da auch schwere Gehirnverletzungen mitunter zunächst nur wenig Symptome zeigen.

Die Erkrankung

Drei Schweregrade

Die Definition einer Schädel-Hirn-Verletzung ist ziemlich theoretisch: Erreicht ein Schädel-Hirn-Verletzter bei der Zustandsbeurteilung nach der Glasgow-Koma-Skala mehr als 12 Punkte, so handelt es sich um eine leichte Schädel-Hirn-Verletzung, erreicht er 9–12 Punkte, so hat er eine mittelschwere Schädel-Hirn-Verletzung (Schädel-Hirn-Trauma Grad II), bei Werten darunter eine schwere Schädel-Hirn-Verletzung oder ein Schädel-Hirn-Trauma Grad III. Maßgeblich ist dabei der schlechteste Wert in den ersten 48 Stunden nach der Verletzung.

Die früher übliche, zusammenfassende Bezeichnung Hirnprellung oder Contusio cerebri für alle Schädel-Hirn-Verletzungen, bei denen mittels CT eine Gehirnschädigung festgestellt weden kann, ist zwar anschaulicher, hat aber den Nachteil, dass ohne (gegebenenfalls wiederholtes) CT gar keine Aussage möglich ist.

Wenn der Verletzte bei Eintreffen des Notarztes immer noch deutlich bewusstseinsverändert oder bewusstlos ist, muss von einer mittelschweren oder schweren Schädel-Hirn-Verletzung und damit einer fassbaren Schädigung des Gehirns ausgegangen werden.

Komplikationen eines Schädel-Hirn-Traumas

  • Beim Unfall können, von außen nicht sichtbar, Hirnhautarterien zerreißen, und zwar auch dann, wenn die Gehirnschädigung nicht so erheblich ist. Aus den zerrissenen Arterien strömt Blut mit hohem Druck in den Raum zwischen Schädelknochen und harter Hirnhaut und schädigt das empfindliche Gehirn. Hieran muss gedacht werden, wenn sich das Bewusstsein des Verletzten wenige Stunden nach dem Unfall (erneut) verschlechtert und Ausfälle wie etwa Lähmungen und unterschiedlich weite Pupillen auftreten. Diese Epiduralblutung ist der Hauptgrund dafür, dass auch beschwerdefreie Patienten mit einer Kopfverletzung nicht ohne weitere Betreuung aus dem Krankenhaus entlassen werden dürfen. Rechtzeitig operiert, hat ein Patient mit einer Epiduralblutung gute Aussichten.
  • Venen zwischen harter und weicher Hirnhaut können ebenfalls einreißen. Diese Blutungsform heißt Subduralblutung. Wichtig: Während die schnell entstehende akute Subduralblutung fast immer mit einer mittelschweren Schädel-Hirn-Verletzung verbunden ist und somit selten übersehen wird, kann es insbesondere bei älteren Menschen oder Menschen mit Blutgerinnungsstörungen selbst bei einer Schädelprellung zu einer chronischen Subduralblutung kommen. Über Wochen sickert immer wieder Blut aus den verletzten Gefäßen und führt zu Wesensveränderungen, Kopfschmerzen und zunehmenden Ausfällen, wenn der Unfall schon längst vergessen ist.
  • Auch ohne Blutungen kann das Gehirn – vergleichbar mit der Entstehung einer Beule – anschwellen. Ein solches Gehirnödem kann schnell zu einer Hirndrucksteigerung und damit zur Schädigung des Gehirns führen.
  • Bei einer offenen Schädel-Hirn-Verletzung ist die harte Hirnhaut zerrissen, sodass eine offene Verbindung zwischen Gehirn und Außenwelt besteht. Dies kann, muss aber nicht, zu einem sichtbaren Austritt von Liquor aus Ohr oder Nase führen. Besteht eine solche Liquorfistel über längere Zeit, ist die Gefahr groß, dass Bakterien von außen einwandern und zu einer Hirnhaut- bzw. Gehirnentzündung oder zu einem Hirnabszess führen. Bei geschlossenen Schädel-Hirn-Verletzungen ohne Hirnhautverletzung besteht diese Gefahr nicht.

Die Glasgow-Koma-Skala (Glasgow Coma Scale, GKS) hat sich zur Beurteilung des Schweregrads einer Schädel-Hirn-Verletzung weltweit bewährt. Der Punktwert („Score“) kann auch von Laien anhand der drei Kriterien Bewegung, Sprechen und Augenöffnen errechnet werden. Dazu werden die Punktwerte der drei Kriterien addiert. Ein bewusstseinsklarer Patient hat immer 15 Punkte.

Beste Bewegungsäußerung

Beste Wortäußerung

Augenöffnen

Punkte

Befolgt Aufforderungen

6

Gezielt auf Schmerzreize

Orientiert

5

Ungezielt auf Schmerzreize

Desorientiert

Spontan

4

Abnormes Beugen von Armen und Beinen auf Schmerzreize

Unangemessene, „nicht passende“ Äußerungen

Auf Ansprechen

3

Abnormes Strecken von Armen und Beinen auf Schmerzreize

Unverständliche Laute

Auf Schmerzreiz

2

Keine Reaktion

Keine Äußerung

Keine Reaktion

1

Das macht der Arzt

Der Notarzt schätzt den Zustand jedes Schädel-Hirn-Verletzten noch am Unfallort mithilfe der Glasgow-Koma-Skala ein und untersucht den Verletzten auf weitere Verletzungen, z. B. innere Blutungen oder eine Rückenmarkverletzung. Stellt sich eine mittelschwere oder schwere Schädel-Hirn-Verletzung heraus, wird der Verletzte nach Stabilisierung von Herz-Kreislauf und Atmung in ein Krankenhaus mit (neurochirurgischer) Intensivstation gebracht, wo neben Blutuntersuchungen sofort ein CT angefertigt und der Verletzte fortlaufend kontrolliert wird.

Der unmittelbar beim Unfall entstandene Schaden am Gehirn kann nicht rückgängig gemacht werden. Eine optimale Einstellung der Herz-Kreislauf- und Atemsituation (oft ist hierzu eine künstliche Beatmung notwendig), der schnelle operative Eingriff bei Blutungen und die Behandlung einer eventuellen Hirndrucksteigerung sollen Folgeschäden des Gehirns vermeiden und haben sich für die weitere Rehabilitation des Betroffenen als ganz wesentlich erwiesen.

Die Rehabilitation des Patienten beginnt bereits auf der Intensivstation. Neben der Vermeidung von Komplikationen, etwa Lungenentzündung oder Wundliegen, die den Zustand des Kranken verschlechtern und dadurch seine Rehabilitation verzögern können, ist es bei Bewusstlosen oberstes Ziel, den Kontakt zum Kranken wiederherzustellen. Einige Betroffene wachen nach Stunden aus der Bewusstlosigkeit auf und sind fast sofort „wieder da“. Andere erwachen erst nach Tagen wieder, durchleben dann ein Durchgangssyndrom, in dem sie verwirrt, unruhig und manchmal auch aggressiv sind und finden nur langsam in die Wirklichkeit zurück. Eine dritte Gruppe bleibt länger bewusstlos, bei diesen Betroffenen sind die Chancen auf eine vollständige Erholung ungewiss.

Sobald sich der körperliche Zustand des Verletzten stabilisiert hat, suchen Ärzte und Sozialarbeiter nach einer geeigneten (Früh-)Rehabilitationsklinik. Pauschale Aussagen über die Dauer der Rehabilitation sind nicht möglich, meist dauert sie aber Monate.

Prognose

Die Aussichten nach einer Schädel-Hirn-Verletzung hängen von vielen Faktoren ab. Je schwerer die Hirnschädigung, je länger der Betroffene bewusstlos und je älter er ist, desto schlechter ist die Prognose. Bei einer mittelschweren Schädel-Hirn-Verletzung ist eine vollständige Genesung möglich. Überlebt ein Verletzter eine schwere Schädel-Hirn-Verletzung, sind Dauerfolgen die Regel.

Nach jeder Schädel-Hirn-Verletzung kann sich eine symptomatische Epilepsie entwickeln und Ausfälle wie etwa eine Lähmung oder der Verlust des Geruchssinns zurückbleiben. Besonders gefürchtet sind aber neuropsychologische Dauerfolgen, etwa eine verminderte allgemeine Belastbarkeit mit Konzentrationsstörungen und rascher Überforderung bei komplizierteren Problemen. Auch Wesensveränderungen wie z. B. Antriebslosigkeit oder Reizbarkeit sind möglich. In schweren Fällen bleibt der Betroffene geistig schwer beeinträchtigt und pflegebedürftig.

Sondertext: Abgeschaltet? Abschalten?

Weiterführende Informationen

  • www.schaedel-hirn.de – Knappe Internetseite zur Selbsthilfe des Bundesverbands Schädel-Hirn-Patienten in Not e. V., Amberg.
  • M. Hoffmann-Kunz; V. Volkhardt: Koma: Eine Geschichte vom Überleben. Mabuse, 2002. Beeindruckender „Dialog ohne Sprache“ zwischen einem seit sechs Jahren im Koma liegenden Arzt und seiner Lebenspartnerin.
  • www.hannelore-kohl-stiftung.de – Die Hannelore Kohl Stiftung ist die größte deutsche Hilfsorganisation für Menschen mit Schädelhirnverletzungen.

Von: gesundheit-heute.de; Dr. med. Nicole Menche | zuletzt geändert am 22.04.2016 um 12:31


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