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Gallenkolik



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Gallenkolik: Durch Einklemmung eines Gallensteins in den Gallengängen ausgelöste heftige krampfartige Schmerzen. Meist befindet sich der Stein in dem kleinen Verbindungsstück zwischen Gallenblase und Gallengang. Auch ein im Gallengang befindlicher Stein kann eine Kolik auslösen und, sofern er den Gallenfluss völlig behindert, zu einem Rückstau von Bilirubin in Blut und Gewebe und damit zu einer Gelbsucht führen.

Leitbeschwerden

  • An- und abschwellende krampfartige Schmerzen (kolikartiger Schmerz) im rechten Ober- und Mittelbauch, oft ausstrahlend in die rechte Schulter
  • Eventuell Übelkeit, Brechreiz und Erbrechen
  • Eventuell Gelbfärbung der Augenlederhaut (Sklerenikterus).

Wann zum Arzt

In den nächsten Stunden zum Arzt oder ins Krankenhaus, wenn starke kolikartige Schmerzen im rechten Mittel- und Oberbauch auftreten.

Die Erkrankung

In 75 % aller Fälle machen Gallensteine keine Probleme und werden, wenn überhaupt, zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt.

Beschwerden treten erst dann auf, wenn ein kleiner Stein in die Gallengänge gelangt; große Steine können dies nicht. Dann kommt es zur Gallenkolik mit plötzlich auftretenden heftigen Schmerzen im oberen und mittleren Bauchbereich, die bis in die rechte Schulter ausstrahlen können. Je nachdem, wo der Stein stecken bleibt, kommt es zu folgenden Komplikationen:

  • Verschließt der Stein den zum Zwölffingerdarm führenden Gallengang (Ductus choledochus), hat dies einen Verschlussikterus zur Folge.
  • Verschließt ein Stein den Gallenblasengang (Ductus cysticus), der von der Gallenblase zum Gallengang führt, kann die Gallenflüssigkeit nicht abfließen. Dies führt dazu, dass die Gallenblase stark anschwillt (Gallenblasenhydrops). Die geschwollene Gallenblase ist sehr druckempfindlich; in ihr können sich Bakterien ansiedeln und zur Gallenblasen- bzw. Gallengangsentzündung führen (Cholezystitis bzw. nicht eitrige chronisch-destruierende Cholangitis).
  • Klemmt sich ein Stein vor die Mündung des Bauchspeicheldrüsengangs, der von der Bauchspeicheldrüse kommend in den Gallengang mündet, ist eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung die Folge.
  • Selten gelangt ein Stein durch eine geplatzte Gallenblasenwand in die Bauchhöhle (Gallenblasenperforation) und verursacht eine lebensbedrohliche Bauchfellentzündung.
  • Selten dringt ein Stein in benachbarte Organe wie Zwölffinger- oder Dickdarm ein und löst dort einen Darmverschluss aus.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Bei typischen Oberbauchschmerzen und bekannten Gallensteinen kann der Arzt die Diagnose oft schon anhand einer körperlichen Untersuchung stellen, die er durch den Nachweis von Gallensteinen im Ultraschall sowie einer Laboruntersuchung bestätigen wird. Um vermutete Steine im Gallengang nachzuweisen (und dann in der gleichen Sitzung auch aus diesem komplikationsreichen Ort zu entfernen), ist eine ERCP notwendig.

Konservative Therapie. Bei einer akuten Gallenkolik gibt der Arzt zunächst eine Spritze mit krampflösenden Mitteln, z. B. Butylscopolamin (Buscopan®), und schmerzstillenden Medikamenten wie Metamizol (Novalgin®) und Pethidin (Dolantin®), woraufhin die Beschwerden meist abklingen. Bis 24 Stunden nach einer Gallenkolik sollte der Betroffene nichts essen.

Zur Vorbeugung von weiteren Koliken und den zum Teil lebensbedrohlichen Komplikationen wird der Arzt, sobald die Gallenblasenentzündung auch laborchemisch nicht mehr nachweisbar ist (nach etwa 4–8 Wochen), den Patienten zur operativen Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie) an den Chirurgen überweisen.

Gallenblasenentfernung. Früher wurde die Gallenblase ausschließlich in einer offenen Operation mit größerem Bauchschnitt entfernt. In den letzten Jahren sind minimal-invasive Verfahren in den Vordergrund getreten. Sie werden von den meisten Patienten zu Recht bevorzugt, da dabei lediglich drei kleine Schnitte zur Einbringung der Instrumente benötigt werden, die Operation schonender und kürzer ist und kaum Wundheilungsstörungen zu befürchten sind. Bei der minimal-invasiven Operation (Laparoskopie) wird zunächst eine spezielle Nadel über den Bauchnabel eingebracht und der gesamte Bauchraum mit Kohlendioxid aufgeblasen. Dies verhindert, dass beim späteren Einbringen der Instrumente innere Organe verletzt werden, und gibt dem Operateur eine bessere Sicht. Ist der Bauchraum aufgeblasen, werden eine kleine Kamera und zwei weitere Instrumentenkanäle eingeführt und die Gallenblase wird freipräpariert. Versorgende Blutgefäße und der Gallenblasengang (Ductus cysticus) werden mit einem kleinen Metallclip verschlossen und durchtrennt. Sodann kann die Gallenblase entfernt werden.

Kommt es während der endoskopischen Operation zu Blutungen oder zum Austritt von Gallenflüssigkeit in die Bauchhöhle, muss zur herkömmlichen Operationsmethode mit einem großen queren Bauchschnitt übergegangen werden. Bei adipösen Patienten ist gegebenenfalls nur die herkömmliche Operationsmethode möglich.

 

Gallensteinentfernung. Hat die Untersuchung ergeben, dass Steine im Gallengang (Ductus choledochus) eingeklemmt sind, müssen sie sofort mithilfe einer ERCP entfernt werden.

Wenn das nicht gelingt, kann der Arzt versuchen, den Stein mit Stoßwellen zu zerkleinern (Stoßwellenlithotripsie ESWL) oder – als Methode der letzten Wahl – in einer Notoperation den Gallengang öffnen und von den Steinen befreien, wobei gleichzeitig die Gallenblase entfernt wird.

Die Litholyse, d. h. die medikamentöse Auflösung von Gallensteinen, ist nur bei kalkfreien Cholesterinsteinen möglich. Sie ist sehr teuer, sehr langwierig und in höchstens 70 % der Fälle erfolgreich. Bei der Hälfte der Patienten treten zudem nach 5 Jahren erneut Steine auf.

Manche Ärzte kombinieren die medikamentöse Litholyse mit der Stoßwellenlithotrypsie. Die Stoßwellen zerkleinern größere Steine und erleichtern einen eventuellen spontanen Steinabgang. Das Verfahren eignet sich aber nur für Bilirubinsteine, kalkfreie Cholesterinsteine und geringfügig verkalkte Steine, wenn ihr Durchmesser kleiner als 2 cm ist. Beim Steinabgang kann es zu Koliken kommen.

Selbsthilfe

Wer an der Gallenblase operiert wird oder wer seine Gallensteine operativ entfernen lässt, erwartet, nach dem Eingriff wieder beschwerdefrei zu sein und alles essen zu können. Leider wird diese Erwartung nicht erfüllt. Neben Wundheilungsstörungen und Schmerzen können Durchfall oder Schmerzen im rechten Oberbauch auftreten, insbesondere dann, wenn Patienten größere fettreiche Mahlzeiten zu sich nehmen. Die Fettunverträglichkeit bleibt häufig als Spätfolge einer Gallenblasenentfernung bestehen. Abhilfe schaffen kleinere fettarme Mahlzeiten.

Bei manchen Patienten treten nach der Gallenblasenentfernung wieder die gleichen Beschwerden auf, die ursprünglich zur Operation führten. Dies wird als Postcholezystektomie-Syndrom (PCS) bezeichnet. Ursache für eine erneute „schlechte Verdauung“ kann neben der oben erwähnten Fettunverträglichkeit z. B. eine Magenentleerungsstörung oder eine Magenschleimhaut-
entzündung sein. Was die PCS letztlich auslöst, ist deshalb umstritten; viele Chirurgen lehnen diesen Begriff ab. Denn sie sind der Meinung, dass durch Gallensteine verursachte Beschwerden nach einer korrekt durchgeführten Operation nicht mehr fortbestehen können.


Von: gesundheit-heute.de; Dr. med. Arne Schäffler, Dr. Bernadette Andre-Wallis | zuletzt geändert am 27.04.2016 um 18:19


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