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Fibromyalgie



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Fibromyalgie (Fibromyalgie-Syndrom, somatoforme Schmerzstörung): Erkrankung mit Schmerzen in allen Gliedern und Gelenken, meist verbunden mit vegetativen Beschwerden wie Schlafstörungen oder Magen-Darm-Problemen. In Industrieländern sind 2–4 % der Bevölkerung betroffen, zu etwa 90 % Frauen, meist ab dem 4. Lebensjahrzehnt. Die starken Schmerzen diktieren vielen Patientinnen das Leben. Die Behandlung ist schwierig, 4 Jahre nach Diagnosestellung haben 97 % immer noch Beschwerden.

Leitbeschwerden

  • Auf alle Körperregionen verteilte Schmerzen der Muskeln, Sehnen und Gelenke (oft als schwerer Muskelkater erlebt), meist in Ruhe schlimmer als bei Aktivität
  • Taubheitsgefühle in Händen, Füßen, Gesicht oder an anderen Körperstellen
  • Schwellungsgefühl, v. a. der Hände
  • Erschöpfung, ständige Müdigkeit mit Schlaf und Konzentrationsstörungen (chronisches Erschöpfungssyndrom)
  • Schluckbeschwerden, Schweißneigung.

Die Erkrankung

Zur Krankheitsentstehung gibt es zahlreiche Hypothesen. Diskutiert werden die Auslösung durch einen Infekt, eine Fehlregulation des Immunsystems, genetische Ursachen, Muskelverspannung und Depressionen. Keine dieser Hypothesen konnte die Fachwelt überzeugen und keine spielt in der Praxis eine große Rolle – weder für den Rheumatologen noch für den Patienten.

Es ist leichter zu beschreiben, was eine Fibromyalgie nicht ist: Sie ist keine entzündliche Erkrankung, keine degenerative Erkrankung und keine Stoffwechselkrankheit. Auch bei langer Krankheitsdauer werden weder Gelenke noch Muskeln oder Sehnen geschädigt. Viele Rheumatologen verwenden deshalb den Begriff Fibromyalgie nicht mehr, sondern sprechen von einer somatoformen Schmerzstörung.

Die Fibromyalgie wird von einigen Autoren zu den so genannten weichteilrheumatischen Erkrankungen (extraartikulärer Rheumatismus) gerechnet. Dies lehnt die Mehrzahl der Experten ab, denn es gibt keine der Fibromyalgie verwandte rheumatologische Erkrankung.

Muskelverspannungen, Sehnenscheidenentzündungen, Frostbeulen (Kälteschäden am Fettgewebe), Überbeine (Aussackungen einer Sehnenscheide oder Gelenkkapsel) – mehr oder weniger jeder Mensch macht im Laufe seines Lebens Erfahrungen mit Erkrankungen der Weichteile. Zu den betroffenen Weichteilgeweben zählen Muskeln, Sehnen, Sehnenscheiden, Schleimbeutel, Bänder, Binde- und Fettgewebe. Schmerzhafte Entzündungsreaktionen der Sehnenansätze werden als Insertionstendopathien bezeichnet. Ist neben den Sehnen auch die Muskulatur betroffen, spricht man von einer Tendomyopathie. Als Folgen von Erkrankungen der Weichteile können auch Nervenirritationen auftreten. Am bekanntesten ist das Karpaltunnelsyndrom, bei dem ein Nerv im Handgelenkskanal durch Ausdehnung anderer Gewebe, z. B. bei Überlastung, gequetscht wird.

Neuere Studien legen nahe, dass Fibromyalgie-Patienten eine verringerte Hautinnervation aufweisen, aber die schmerzleitenden Nerven von Fibromyalgie-Patienten überaktiv sind. Experten vermuten, dass diese Befunde eine tiefer liegende Funktionsstörung des peripheren Nervensystems anzeigen.

Fibromyalgie-Patienten lassen sich entsprechend ihrem Krankheitsbild, den Beschwerden und Behandlungsmöglichkeiten in drei Untergruppen einteilen:

  • Etwa die Hälfte aller Betroffenen leiden unter Angsterkrankungen. Durch die ständigen Angstgefühle ist der Muskeltonus dieser Personen dauerhaft erhöht, was sich in Verspannungen und Schmerzen im Schulter-Nacken- und Lendenwirbelsäulenbereich äußert. Hier ist eine Therapie der Angststörung notwendig.
  • 30 bis 40 Prozent der Betroffenen sind anderer Art psychisch belastet, dass es zu einer somatoformen Störung mit Leitsymptom Schmerz kommt. Zusätzlich treten Schwindel, Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden oder Herzrasen auf. Auch hier muss der zugrunde liegende psychische Konflikt aufgelöst werden.
  • Zehn Prozent der Betroffenen waren im Erwachsenenalter stark traumatisierenden Erlebnissen ausgesetzt. Das Fibromyalgie-Syndrom ist hier auf eine posttraumatische Belastungsstörung zurückzuführen. In diesen Fällen sind Imaginationsverfahren oder Verhaltenstherapien die Behandlung der Wahl.

Das macht der Arzt

Für den Arzt steht bei der Diagnose das Patientengespräch im Vordergrund. Wegweisend ist für ihn nicht nur der Inhalt, sondern auch die Art der Schilderung. Fibromyalgie-Patienten leiden stark unter ihrer Krankheit, was in der angespannten oder gedrückten Art zum Ausdruck kommt, mit der sie ihre Beschwerden schildern. Sie empfinden die Schmerzen viel eher als unerträglich als die meisten Patienten mit z. B. Rheumatoider Arthritis. Der Ausschluss anderer Erkrankungen ist für erfahrene Rheumatologen in aller Regel nicht schwierig. Differenzialdiagnostisch auszuschließen sind vor allem entzündlich-rheumatische Erkrankungen, Myopathien, Hypothyreose sowie Hyperkalzämie. Wichtigstes Kriterium der Fibromyalgie sind chronische Schmerzen für länger als drei Monate in allen vier Körperquadranten.

Diese Diagnosekriterien haben die früheren Empfehlungen der US-Gesellschaft für Rheumatologie abgelöst, die diffuse Schmerzen der Muskeln, Sehnen und Gelenke und Schmerzhaftigkeit von mindestens 11 der 18 Tender points (Druckpunkte, siehe Abb.) als Voraussetzung für die Fibromylagie-Diagnose verlangen. Die Anwendung der Kriterien und insbesondere der Tender points (Druckpunkte) war nämlich problematisch, weil die Druckstärke schwer zu objektivieren ist und der Arzt sich auf Patientenangaben über die Schmerzstärke verlassen muss. 

Die 18 Tender-Points. Quelle:[ASL 2618]

Die Therapie der Fibromyalgie besteht aus:

  • Maßnahmen zur Entspannung der Muskulatur: Wärmeanwendungen, krankengymnastische Dehnübungen, Anleitung für Übungsprogramme zu Hause
  • Dem Erlernen von Entspannungstechniken wie Autogenem Training oder Progressiver Muskelrelaxation nach Jacobson
  • Medikamenten, wobei sich Schmerzmittel nicht bewährt haben, wohl aber niedrig dosierte Antidepressiva, womit häufig eine Schmerzdistanzierung erreicht wird. Etwa 10 % der Betroffenen profitieren von der Einnahme von Epileptika, insbesondere von Pregabalin. 
  • Der Bereitschaft, jede Therapiemaßnahme jederzeit zu überprüfen. Denn Fibromyalgie-Patienten sprechen sehr unterschiedlich auf einzelne Maßnahmen an – manche sagen, dass ihnen Kälteanwendungen viel besser bekommen als Wärme. Andere profitieren von der Pille oder der Hormonersatztherapie.

Wichtig ist es vor allem, dass die Betroffenen die Krankheit mit ihren Schmerzen akzeptieren und nicht, wie häufig praktiziert, von Arzt zu Arzt wechseln und auf den Durchbruch in Diagnostik oder Therapie hoffen.

Selbsthilfe

Es gibt keine andere rheumatologische Krankheit, die als so belastend und einschneidend erlebt wird, aber auch nach jahrelangem Verlauf keinerlei fassbare Schäden an Gelenken oder Muskeln hinterlässt. Daher ist der Betroffene im Umgang mit seiner Erkrankung ganz besonders gefordert. Auf diesem Grundgedanken aufbauend haben sich die folgenden Regeln zur Selbsthilfe und Lebensführung bewährt:

Die Krankheit anerkennen. Die wichtigste Erkenntnis lautet: Sie selbst sind Ihr bester Therapeut. Ärzte, Heilpraktiker und Medikamente können Sie unterstützen, aber den Schlüssel zu einem möglichst schmerzfreien Leben haben Sie selbst in der Hand.

Seien Sie realistisch in Ihren Erwartungen an Schul- oder Komplementärmedizin. Fibromyalgie-Patienten neigen nicht selten zum „Doctorshopping“, also einem häufigen, oft kostspieligen Arzt- und Therapiewechsel, profitieren aber fast nie davon.

Richten Sie sich darauf ein, dass die Fibromyalgie Sie zwar über viele Jahre begleitet, aber nicht „auffrisst“. Betrachten Sie die Erkrankung z. B. wie ein lästiges Tier, das Sie zwar auf Schritt und Tritt begleitet, welches aber keine Macht über Sie besitzt.

Lernen Sie sich zu beobachten: Was verstärkt die Schmerzen (z. B. Schlafmangel oder zuviel Schlaf), was lindert mehr (z. B. ein Glas Wein am Abend), wie wirken Medikamente oder eine Fastenkur?

Distanz gewinnen. Distanz zu den eigenen Schmerzen zu gewinnen ist der Schlüssel zu einem besseren Leben. Dabei hilft es, gezielte Entspannungsverfahren zu erlernen, um im Alltag immer wieder Inseln der Ruhe und Entspannung einzurichten, aber auch dem eigenen Leben wieder neue Impulse und Ziele zu geben.

Reden Sie über Ihre Erkrankung, z. B. mit Ihrem Partner oder in einer Selbsthilfegruppe, aber ziehen Sie auch hier Grenzen. Wenn Sie von Ihrem Partner oder Ihren Kindern jeden Morgen die Frage erwarten, wie es Ihnen geht, machen Sie etwas falsch.

Lassen Sie sich helfen (z. B. im Haushalt), aber lassen Sie sich nicht bedienen – ein möglichst aktives Leben ist letztlich besser für Sie. Dazu gehört auch Sport. Dabei ist nicht wichtig, ob Sie das Fitness-Studio bevorzugen oder Nordic Walking – Bewegung tut Ihnen gut, nicht nur den Gelenken, sondern auch dem ganzen Körper.

Negativfaktoren abstellen. Trotzdem sollten Sie Negativfaktoren in Ihrem Leben abstellen. Überlegen Sie, was dazu zählt, und was Sie mit Ihrer Energie und Lebenskraft tun können, um unguten Stress aus Ihrem Leben zu verbannen.

Wenn Sie Ihren Beruf nur noch als Last empfinden und an einen Rentenantrag denken, überlegen Sie, ob Sie das wirklich zufriedener machen würde. Viele Ärzte haben erlebt, dass Fibromyalgie-Patienten nach der Frühverrentung erst recht Probleme haben, da sie sich nur noch auf ihre Beschwerden konzentrieren.

Komplementärmedizin

Entspannungsverfahren. Zur besseren Krankheitsbewältigung wird Entspannungstherapien wie Autogenem Training, Progressiver Muskelrelaxation nach Jacobson, Yoga und der Feldenkrais-Therapie ein hoher Stellenwert eingeräumt, zumal auch wichtige Begleitsymptome wie Schlafstörungen, seelische Anspannung oder depressive Verstimmungen gut durch regelmäßige Übungen gelindert werden können. Eine amerikanische Studie belegt zudem, dass Tai Chi schmerzlindernd wirkt. So reduzierte sich die Anzahl der Schmerzpunkte bei Fibromyalgie-Patienten, die zwölf Wochen lang ein Tai-Chi-Training absolvierten, um knapp die Hälfte. Das Training verbesserte außerdem Lebensqualität, Beweglichkeit und Schlaf der Patienten.

Meditation. Anspannung und Leidensdruck abzubauen, aber auch Schmerzen und Beeinträchtigungen besser anzunehmen, ist das Ziel verschiedener Meditationstechniken. Es liegen eine Reihe positiver Erfahrungsberichte von Fibromyalgie-Patienten vor, wonach regelmäßig ausgeübte Meditation langfristig zu einer Linderung der Beschwerden und damit zu einer Steigerung der Lebensqualität führt – dies wird inzwischen auch durch verschiedene Studien belegt.

Bewegungstherapie. Regelmäßige sportliche Betätigung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Linderung der Fibromyalgie-Symptome. Als Bewegungstherapie wird regelmäßiges Ausdauertraining empfohlen, z. B. Walking, Schwimmen oder Radfahren – die positiven Effekte lassen allerdings rasch wieder nach, wenn das Training nicht kontinuierlich fortgesetzt wird. Wichtig ist auch, die Intensität realistisch zu bemessen, so dass es auch in Phasen, in denen die Schmerzen stärker sind, nicht für längere Zeit unterbrochen werden muss.

Mind-Body-Therapien. Mind-Body-Therapien zielen darauf ab, mit einem breit gefächerten Spektrum an verschiedenen Einzelverfahren den Lebensstil so zu verändern, dass krankheitsfördernde Aspekte wie z. B. andauernde Stressbelastung zunehmend in den Hintergrund treten, wohingegen Strategien zur Krankheitsbewältigung zu einem festen Bestandteil des täglichen Lebens werden. Dieser ursprünglich für Herz-Kreislauf-Kranke konzipierte Ansatz hat sich auch für Fibromyalgie-Patienten bewährt.

Akupunktur. Ob Akupunktur langfristig eine Verbesserung der Symptome bewirkt, wird derzeit in verschiedenen Studien geprüft. Da es sich bei der Fibromyalgie um ein komplexes Krankheitsbild handelt, befürworten die meisten Therapeuten ein individuell abgestimmtes Vorgehen, bei dem die zu nadelnden Punkte erst nach eingehender Anamnese festgelegt werden.

Homöopathie. In einigen Fällen scheint eine individuell abgestimmte homöopathische Konstitutionstherapie eine Linderung der Beschwerden zu bewirken.

Magnettherapie. Positive Erfahrungsberichte liegen auch zur Magnettherapie, und zwar zur Behandlung mit pulsierenden Magnetfeldern vor. Lange Zeit waren vor allem Knochenbrüche die Domäne der Magnettherapie. Mittlerweile gibt es Studien, die besagen, dass die Methode auch den Krankheitsverlauf von chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen positiv beeinflusst. Bei dem Verfahren werden pulsierende elektromagnetische Felder von elektronisch geregelten Steuergeräten in bestimmten Taktfrequenzen erzeugt, die entweder in Form eines Stabes, Kissens auf einzelne Körperregionen oder als Ganzkörpermatte dem gesamten Organismus zugeführt werden. Bei der Behandlung einer Fibromyalgie und anderer chronischer Autoimmunerkrankungen des Bewegungsapparats aktivieren diese Magnetfelder u.a. den Zellstoffwechselprozess und verbessern so Durchblutung und Regeneration des (entzündeten) Gewebes. So erklärt man sich die entzündungshemmende, schmerzlindernde, abschwellende und bis zu einem gewissen Grad auch regenerierende Wirkung auf die betroffenen Knorpel und Gelenkstrukturen. Voraussetzung ist die regelmäßige Anwendung über mehrere Wochen und Monate – nach einer Einweisung durch einen versierten Therapeuten ist die Weiterführung der Therapie auch zu Hause möglich.

Weiterführende Informationen

  • S. Tempelhof: Fibromyalgie. Gräfe & Unzer, 2004. Guter und leicht zu lesender Ratgeber.

Von: gesundheit-heute.de; Dr. rer. nat. Katharina Munk, Dr. med. Arne Schäffler | zuletzt geändert am 11.11.2016 um 13:27


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