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gesundheit-heute.de » Krankheiten | Therapie » Krankheiten & Therapie » Haut, Haare und Nägel » Allergisch und toxisch bedingte Hauterkrankungen

Arzneimittelexanthem



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Arznei[mittel]exanthem: Hautausschlag und Schleimhautentzündung als Arzneimittelnebenwirkung, am häufigsten ausgelöst durch Antibiotika aus der Gruppe der Penicilline (z. B. Ampicillinexanthem). Daneben können auch andere Antibiotika, Herz- und Blutdruckmedikamente, Schmerzmittel, Antiepileptika, Schilddrüsenmedikamente und andere Wirkstoffe ein Arznei[mittel]exanthem auslösen. Nach Absetzen des verdächtigen Medikaments ist die Symptomatik meist innerhalb von 1–2 Wochen rückläufig.

Leitbeschwerden

(Meist) juckender Ausschlag, der typischerweise 7–12 Tage, bei wiederholtem Behandlungszyklus 2 Tage nach Einnahmebeginn auftritt.

  • Oft kleinfleckig und leicht erhaben, ähnlich wie bei Masern oder Scharlach
  • Selten netzförmig, großfleckig, mit Quaddeln, Blasen, kleinen Hautblutungen oder ausgedehnten Rötungen.

Die Erkrankung

Die Haut ist das Organ, das am häufigsten von unerwünschten Arzneimittelwirkungen betroffen ist. So erleiden z. B. bis zu 10 % aller Patienten, die das Antibiotikum Ampicillin einnehmen, einen Hautausschlag. Bei anderen Arzneimitteln ist die Rate deutlich niedriger. In den meisten Fällen ist die Nebenwirkung auf den eigentlichen Wirkstoff des Arzneimittels zurückzuführen, gelegentlich jedoch auch auf Hilfsstoffe wie Füllmittel, Konservierungs-, Geschmacks- oder Farbstoffe.

Manche Medikamente lösen allergische Reaktionen aus, entweder systemisch (im ganzen Körper) nach innerlicher Einnahme, z. B. durch Tabletten oder Spritzen, oder lokal als Kontaktallergie nach Auftragen auf die Haut oder die Schleimhaut. Andere Medikamente führen zur Freisetzung von körpereigenen Stoffen wie Histamin, die ihrerseits Hautausschläge hervorrufen. Diese Reaktion, als Pseudoallergie bezeichnet, tritt manchmal bereits nach erstmaliger Einnahme eines Arzneimittels auf. Eine „echte“ systemische Allergie zeigt sich dagegen frühestens 1 Woche nach Behandlungsbeginn mit einem neuen Medikament. Erst bei weiteren Behandlungszyklen kommt es auch hier zu früheren Hautreaktionen, oft bereits nach 48 Stunden.

Der Hautausschlag kann sehr vielgestaltig sein, den ganzen Körper oder Rumpf betreffen oder sich auf eine kleine Stelle beschränken. Juckreiz ist häufig vorhanden, jedoch nicht zwingend. Meist bilden sich die Beschwerden nach Absetzen des auslösenden Arzneimittels ohne sichtbare Spuren zurück, gelegentlich finden sich jedoch als Restzustand vorübergehend schiefergraue Hautverfärbungen.

Neben den typischen Arznei[mittel]exanthemen gibt es einige Sonderformen, die nur im weiteren Sinn dazu gehören:

  • Beim fixen Arznei[mittel]exanthem entwickeln sich in Gelenknähe oder auf Schleimhäuten einzelne oder mehrere münzgroße rötliche Flecken, die nach Absetzen des auslösenden Medikaments für Monate bis Jahre mit dunkelbrauner Färbung bestehen bleiben. Kortisonhaltige Salben beschleunigen die Abheilung.
  • Eine fototoxische Reaktion nach Medikamenteneinnahme führt erst nach Sonnenbestrahlung (auch durch Fensterglas) zu einem Arznei[mittel]exanthem, das meist auf den dem Licht ausgesetzten Hautbereich beschränkt ist.
  • Das [medikamentöse] Lyell-Syndrom, eine lebensbedrohliche Hautreaktion, die meist nach Einnahme von Medikamenten im Rahmen eines harmlosen Infekts auftritt.
  • Beim Stevens-Johnson-Syndrom handelt es sich um eine Maximalvariante des allergischen Arznei[mittel]exanthems mit schmerzhaften Blasen und hohem Fieber. Neben Haut und Schleimhäuten sind meist auch die Bindehäute beteiligt.

Das macht der Arzt

Die Diagnose ist einfach, wenn der Ausschlag typisch und der Betroffene ansonsten gesund ist und nur ein Medikament im fraglichen Abstand zum Auftreten des Ausschlags eingenommen wurde. Viele Arznei[mittel]exantheme treten aber bei Patienten mit chronischen Mehrfacherkrankungen auf, die verschiedene Medikamente einnehmen. In diesem Fall sind aufwendige Laboruntersuchungen und Hauttests erforderlich, um die Diagnose zu stellen.

Relativ einfach ist der Reexpositionsversuch durchzuführen, bei dem das fragliche Medikament erneut gegeben und ein Wiederauftreten des Ausschlags abgewartet wird. Dieser Versuch kann allerdings erst 3 Wochen nach Abklingen der Hautveränderungen erfolgen.

Der erste und wichtigste Behandlungsschritt besteht darin, das auslösende Medikament wegzulassen oder auf ein Präparat aus einer anderen Wirkstoffgruppe umzustellen. In leichten Fällen reicht es anschließend eventuell, die Beschwerden durch kühlende Umschläge, Auftragen von juckreizstillenden Lotionen, Gels und Cremes (z. B. Anaesthesulf®-Lotio, Fenistil® Gel) oder Einnahme von Antihistaminika (z. B. Cetirizin) zu lindern. Kortison ist das Mittel der Wahl bei stärkeren Reaktionen, meist in Form von Lotionen und Cremes, in schweren Fällen auch in Form von Tabletten.

Vorsorge

Wer schon einmal mit einem Ausschlag auf ein Medikament reagiert hat, sollte dies seinem Arzt vor einer neuen Arzneimittelverordnung mitteilen. Ist eine Arzneimittelallergie nachgewiesen, stellt der Arzt einen Allergiepass aus, in den er die unverträglichen Medikamente einträgt.

Komplementärmedizin

Da das Arznei[mittel]exanthem nach naturheilkundlicher Betrachtungsweise der Nesselsucht ähnelt, finden sich die therapeutischen Möglichkeiten der Komplementärmedizin an entsprechender Stelle.


Von: gesundheit-heute.de; Dr. Ute Koch, Dr. med. Arne Schäffler | zuletzt geändert am 07.04.2016 um 16:55


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