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Akne bei Jugendlichen



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Rechnet man milde Formen mit, so ist fast jeder Jugendliche von Akne betroffen, Jungen meist schwerer als Mädchen. Bei 30 % verläuft die Akne so schwer, dass sie medizinisch behandelt wird. Neben der im Rahmen der hormonellen Umstellung in der Pubertät auftretenden „ordinären Akne" (Acne vulgaris) kann eine Akne auch – weitaus seltener – durch Hormonzufuhr von außen auftreten sowie im Rahmen von anderen Erkrankungen. Dazu gehören die Einnahme von Kortison oder Dopingpräparaten ebenso wie das Syndrom der polyzystischen Ovarien, andere Hormonstörungen oder die Hautkrankheit Rosazea. Manche Neugeborenen haben in den ersten Lebenstagen eine durch die mütterlichen Hormone bedingte gutartige Form der Akne, die Neugeborenenakne.

Die „ordinäre Akne“ hat mit 17 Jahren ihren Häufigkeitsgipfel, und lässt danach deutlich nach. Jedoch haben 10 % der Betroffen auch noch nach dem 25. Lebensjahr Beschwerden.

Leitbeschwerden

  • Mitesser (Komedonen), die sich zu „Pickeln“ (Pusteln) entwickeln und entzünden
  • Auftreten vor allem im Gesicht und am oberen Rücken.

Wann zum Arzt

In den nächsten 1–2 Wochen, wenn die Akne durch Selbsthilfemaßnahmen nicht innerhalb von 2–3 Monaten besser wird

In den nächsten Tagen, wenn Akne außerhalb der Pubertät auftritt.

Die Erkrankung

Durch die in der Pubertät insbesondere bei Jungen, aber auch bei Mädchen gebildeten männlichen Geschlechtshormone wie das Testosteron werden die Talgdrüsen zu verstärkter Absonderung von Talg (Talgsekretion) angeregt (Seborrhoe). Wie stark die Talgdrüsen auf die Hormone ansprechen, ist dabei von Mensch zu Mensch verschieden. Gleichzeitig neigt die Haut an den Talgdrüsenausgängen bei vielen Jugendlichen zur Verdickung (Verhornung), so dass sich der Talg zusammen mit abgeschilferten Hautzellen stauen kann, ein weißer Mitesser (weißer Komedon) entsteht. Dieser färbt sich durch Einlagerung von Pigmenten (nicht durch Schmutz) im Lauf der Zeit dunkel oder sogar schwarz (schwarzer Mitesser bzw. Komedon). Die verstopfte Talgdrüse wird leicht von Hautbakterien, z. B. Propionibacterium acnes, besiedelt – der Mitesser und die umgebende Haut entzünden sich dadurch; es entstehen die bekannten Pickel, also eitrig entzündete Mitesser.

Gefördert wird Akne auch durch Umwelteinflüsse, insbesondere durch den längerfristigen Einsatz zu fettiger oder öliger Kosmetika.

Der Einfluss der Ernährung ist kompliziert: Während die oft beschuldigte Schokolade oder fettreiche Ernährung sicher keinen Einfluss haben Quelle:[B01], fördert eine durch Überernährung und Bewegungsmangel ausgelöste diabetische Stoffwechsellage (metabolisches Syndrom) die Akne-Entstehung.

Stress kann eine bestehende Akne verschlimmern, bei jungen Frauen spielt auch oft die Periode eine zusätzliche Rolle. Jede Akne wird zudem durch den Besuch von Solarien (hochdosiertes UVA-Licht) und nicht atmungsaktive Kleiderstoffe verschlimmert.

Formen. Manche Jugendliche haben vor allem geschlossene Mitesser ohne nennenswerte Entzündungen. Die Haut ist fettig mit vielen kleinen Knötchen, aber ohne Eiterpickel – diese Form heißt Acne comedonica. Bei anderen Jugendlichen dominieren größere Knötchen, teilweise mit Eiterbildung (Acne papulopustulosa). Wieder andere (meist Jungen) sind von sehr schweren Formen mit knotigen, tiefen, teils eitrigen Entzündungen betroffen, die nach der Abheilung oft Narben hinterlassen (Acne conglobata).

Das macht der Arzt

Zur Diagnose einer „ordinären Akne“ braucht der Arzt keine weiteren Untersuchungen, er erkennt sie sofort („Blickdiagnose“). Die Behandlung greift an mehreren Punkten an.

Therapie

Alle Akne-Präparate werden auf die gereinigte und abgetrocknete Haut aufgetragen. Vor und nach dem Auftragen sind die Hände gut zu waschen. In ganz leichten Fällen reichen „Rubbelcremes“ (Waschpeelings) zur Abschilferung der verhornten Talgdrüsenausführungsgänge aus, wie etwa Brasivil® Paste.

Basisbehandlung durch Schälmittel. Meist wird dem betroffenen Jugendlichen aber eine so genannte Basisbehandlung mit Benzoylperoxid, einem chemisch wirkenden, frei verkäuflichen Schälmittel empfohlen, das gleichzeitig gegen Mitesser, Bakterien und die Entzündung wirkt. Da die Gesichtshaut sehr empfindlich ist, sollten nur niedrig konzentrierte Präparate eingesetzt werden, etwa Aknefug® Oxid Mild 3 %, PanOxyl® mild 2,5 Creme oder Sanoxit® 2,5 % Gel. Die Behandlung mit BPO sollte die Beschwerden innerhalb von acht Wochen verbessern. BPO ist auch zur Langzeitanwendung geeignet, da Resistenzen ausbleiben. Beim Auftragen sind die Augen, Nasenlöcher und die Lippen auszusparen, da BPO die Schleimhäute reizt. Augenbrauen, Kopfhaare, Barthaare und Textilien können beim Kontakt mit BPO ausbleichen.

Ähnlich wirkt die verschreibungspflichtige Azelainsäure (etwa Skinoren®). Generell irritieren Cremes die Haut weniger als Gels oder gar Lösungen, deshalb sind Cremes am Anfang der Behandlung manchmal die bessere Wahl. Auch eine geeignete Hautpflege verringert die von den Schälmitteln oft ausgehende Reizwirkung. Reagiert die Haut auf die Azelainsäure gereizt, ist das Präparat zunächst nur jeden zweiten Tag anzuwenden.

Oberflächliche (topische) Retinoide. Bei schwereren Akneformen mit vielen Mitessern reichen Schälmittel meist nicht aus. Hier werden aus der Vitamin-A-Säure gewonnene Präparate (Retinoide) verordnet, vor allem das wenig reizende und auch sonst nebenwirkungsarme Adapalen (Differin®, als Creme oder als Gel). In hartnäckigen Fällen kann das – allerdings anfänglich stark reizende – Tretinoin (Vitamin-A-Säure) versucht werden (etwa Cordes® VAS Creme oder Airol®). Noch stärker wirkt das Isotretinoin (etwa Isotrex® Creme oder Gel). Letzteres hat aber den Nachteil, dass bei diesem Wirkstoff eine Schwangerschaft ausgeschlossen sein muss, da Fehlbildungen beim Ungeborenen auch bei äußerlicher Anwendung drohen. Alle Retinoide haben den Nachteil, dass sie die Haut lichtempfindlich machen, weshalb sie abends aufgetragen werden sollten und zusätzlich auf ausreichenden Sonnenschutz zu achten ist. Retinoide werden auch in Kombination mit BPO eingesetzt, zum Beispiel im Kombinationspräparat Epiduo® Gel.

Oberflächliche (topische) Antibiotika. Bestehen entzündliche Hautveränderungen und Pusteln, und bessern sich diese mit den (ebenfalls gegen die bakterielle Besiedlung und Entzündung wirkenden) Schälmitteln nicht, so können zusätzlich antibiotikahaltige Cremes aufgetragen werden, vor allem mit Erythromycin (z. B. Aknemycin®) oder Clindamycin (z. B. Basocin®). Antibiotikapräparate sollten aber immer erst eingesetzt werden, wenn andere Therapieformen unzureichend wirken, und wenn, dann zusammen mit Benzoylperoxid-oder Retinoid-Präparaten. Es sind verschiedene Kombi-Präparate verfügbar wie Duac® Akne Gel, Aknemyecin® Plus Lösung, Isotrexin® Gel und Acnatac® Gel. Die Hautbakterien könnten sonst gegen das Antibiotikum unempfänglich (resistent) werden. Aus demselben Grund sollten Antibiotikapräparate nicht länger als 6-12 Wochen hintereinander aufgetragen werden.

Systemische Präparate. In schweren Fällen, also vor allem bei der Acne conglobata, kann durch die oral einzunehmende Einzeltherapie mit Isotretinoin (Roaccutan®, Isoderm®, Aknenormin®) die Akne stark gelindert werden. Nebenwirkungen wie trockene Haut, Leberfunktionsstörungen und Erhöhung der Blutfettwerte sowie Stimmungsschwankungen kommen vor. Wegen der möglichen Fruchtschädigung ist unbedingt eine sichere Empfängnisverhütung erforderlich. Antibiotika zum Schlucken kommen kurzfristig bei stark eitrigen Formen in Betracht. Bei jungen Mädchen kann auch die „Pille“ die Akne oft deutlich bessern.

Behandlungen mit Laser sind noch nicht ausreichend erprobt, aber wahrscheinlich den medikamentösen Ansätzen unterlegen Quelle:[B02].

Komplikationen

Bei der Behandlung kommt es anfänglich nicht selten zu Verschlechterungen. Bei den Schälmitteln kann das abgefangen werden, indem sie nur alle zwei Tage angewendet werden, oder auf eine Creme umgestellt wird. Wenn möglich sollte eine Therapieform aber immer 6 Wochen ausprobiert werden, bevor eine andere oder stärkere gewählt wird.

Selbsthilfe

  • Zuerst einmal: Es tut keinem Betroffenen gut, wenn er Begriffe wie „unreine Haut“ hört – mit Reinheit oder Unreinheit hat Akne nichts zu tun. Und Eltern, die gleich auf jeden Pickel hinweisen, gelten zurecht als uncool.
  • Da alle Aknemittel die Haut reizen können, ist die richtige Hautpflege entscheidend. Am besten geeignet sind entfettende Syndets (synthetische Seifen), wie etwa Eubos®, Hydroderm® oder Effaclair®. Bei stark fettender Haut kann zur Entfettung auch eine milde alkoholische Lösung eingesetzt werden, etwa 20%-iges Isopropanol oder Solutio Cordes®. Möchte man die Mitesser und Pickel abdecken oder Make-up verwenden, sollte eine Kosmetikerin befragt werden – fettige oder ölige Kosmetika sind zu vermeiden.
  • Das bei vielen Teenagern beliebte „Ausdrücken“ schadet eher, denn die entzündungsverursachenden Substanzen werden durch unsachgemäßes Quetschen nur tiefer ins Gewebe gepresst – das Risiko für Entzündungen und damit verbundener Narbenbildungen steigt. Entfernt hingegen eine Kosmetikerin die Mitesser, kann dies sinnvoll sein.
  • Nicht zu stark dosiertes Sonnenlicht wirkt erfahrungsgemäß günstig, was sich auch daran zeigt, dass Akne im Sommer oft besser und im Winter eher schlechter wird.

Komplementärmedizin

Auch die Naturheilkunde bietet kein Patentrezept gegen Akne – die Empfehlungen reichen von A-Vitaminen über Blutreinigungstees (Schachtelhalm und Brennnessel), Kamille und Salbei bis hin zu Zink, innerlich wie äußerlich. Kleiebäder, Kamilledampfbäder und Heilerdeanwendungen können am ehesten die schulmedizinische Behandlung unterstützen. Vorsicht geboten ist bei der manchmal empfohlenen essigsauren Tonerde: Wer sich in der Dosierung vergreift, riskiert Verätzungen im Gesicht.

Ein altes, aber in der Wirksamkeit wissenschaftlich unbewiesenes Hausmittel gegen Akne ist Hefe, entweder als frische Bäckerhefe (die heute leider auch viele Zusatzstoffe enthält) oder als Fertigpräparat (z. B. Levurinetten®).


Von: gesundheit-heute.de; Dr. med. Herbert Renz-Polster | zuletzt geändert am 14.03.2016 um 18:44


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